1. Was ist ein RAID?
RAID (Redundant Array of Independent Disks) fasst mehrere physische Laufwerke zu einem logischen Volume
zusammen, um Ausfallsicherheit, Performance und/oder Kapazität zu erhöhen. Wichtig: RAID ersetzt kein
Backup – es schützt gegen Hardwareausfall, nicht gegen versehentliches Löschen, Ransomware oder
Datenkorruption.
Ziele:
- Ausfallsicherheit: Spiegelung oder Parität ermöglicht Plattenausfall ohne Datenverlust.
- Performance: Paralleles Lesen/Schreiben steigert Durchsatz.
- Kapazität: Mehrere Platten bilden ein großes Volume; nutzbare Kapazität lässt sich je nach Level
berechnen.
2. Hardware-RAID vs. Software-RAID
Hardware-RAID
Dedizierte Controller (PCIe-Karten oder integrierte Smart-Array-Controller) organisieren Striping, Parität und
Rebuilds. Vorteile: Entlastung der CPU, Cache mit Batterie/SuperCap, Monitoring-Funktionen. Ohne intakten
Cache-Schutz fällt der Controller in Write-Through.
Software-RAID
Das Betriebssystem (z. B. Linux mdadm, Windows Storage Spaces) verwaltet Spiegelung/Parität. Vorteile:
Kostengünstig, flexibel, hohe Performance mit modernen CPUs. Nachteil: CPU-Last und ggf. weniger
Hardware-Features.
Firmware-/Host-RAID ("FakeRAID")
Mischung aus BIOS/UEFI-Unterstützung und Treibern. Kaum portabel/robust, lohnt nur in Spezialfällen.
Entscheidungskriterien: Performance-Anforderungen, Monitoring/Hot-Spare-Funktionen, Budget und Support.
3. Wichtige RAID-Level
RAID 0 – Striping ohne Redundanz
Daten werden blockweise verteilt (striped). Maximale Performance und Kapazität, aber kein Schutz. Fällt eine
Platte aus, ist das komplette Array verloren. Typische Nutzung: temporäre Daten, Tests, Videoschnitt-Cache.
RAID 1 – Mirroring
Spiegelt Daten auf zwei (oder mehr) Platten. Ausfallsicherheit hoch, nutzbare Kapazität = Kapazität der
kleinsten Platte (bei zwei Laufwerken 50 % der Rohkapazität). Lesen kann beschleunigt werden.
RAID 5 – Striping mit einfacher Parität
Mindestens drei Platten, Parität schützt gegen Ausfall einer Platte. Nutzbar: (n − 1) × Size der kleinsten
Platte. Lesen schnell, Schreiben langsamer wegen Parität. Bei großen HDDs steigt das Risiko eines zweiten
Fehlers (URE) während des Rebuilds.
RAID 6 – Striping mit doppelter Parität
Mindestens vier Platten, verkraftet zwei Ausfälle. Nutzbar: (n − 2) × Size. Mehr Schreib-Overhead, dafür
deutlich sicherer bei großen Arrays.
RAID 10 (1+0)
Kombiniert Spiegelung und Striping. Mindestens vier Platten (zwei Spiegelpaare). Hohe Performance und
Ausfallsicherheit, solange nicht beide Platten desselben Spiegelpaares ausfallen. Nutzbare Kapazität 50 %.
Kurzvergleich
- RAID 0: min. 2 Platten, Kapazität = n, Performance hoch, keine Redundanz.
- RAID 1: min. 2, Kapazität = 1 × Size, 1 Platte darf ausfallen.
- RAID 5: min. 3, Kapazität = (n − 1), 1 Platte darf ausfallen.
- RAID 6: min. 4, Kapazität = (n − 2), 2 Platten dürfen ausfallen.
- RAID 10: min. 4, Kapazität = n/2, sehr hohe Performance & Redundanz.
4. Rebuilds – Wiederherstellung in der Praxis
Rebuilds schreiben Daten nach Austausch einer defekten Platte zurück.
- RAID 1: Schneller Kopiervorgang, aber währenddessen keine Redundanz.
- RAID 5: Controller liest alle verbliebenen Platten + Parität. Hohe Last und Risiko eines weiteren
Fehlers (URE). Kann Stunden bis Tage dauern.
- Hot Spares: Vorhandene Ersatzplatten starten Rebuild automatisch, reduzieren Zeit ohne Redundanz.
- URE-Risiko: Gerade bei großen HDDs kann ein nicht korrigierbarer Lesefehler den Rebuild scheitern
lassen → RAID 6/10 bevorzugen.
Herstellerhinweise:
- HPE Smart Array: Rebuild-Geschwindigkeit hängt stark von Cache/SuperCap ab.
- QNAP NAS: Rebuilds laufen mit niedriger Priorität, um Dienste nicht zu stören; Priorität kann angepasst
werden.
5. Cache-Module & Absicherung
Viele Hardware-Controller nutzen Write-Back-Caches, um Schreibzugriffe zu beschleunigen. Damit Daten bei
Stromverlust nicht verloren gehen, braucht es Absicherung:
- BBWC: Battery-Backed Write Cache hält Daten im DRAM, bis sie auf die Platten geschrieben wurden.
- FBWC / SuperCap: Cache wird bei Ausfall blitzschnell in Flash geschrieben, gespeist durch Superkondensator.
Fällt die Absicherung aus, schalten Controller in Write-Through → drastisch geringere Schreibperformance und
längere Rebuilds.
8. Fazit
Die Wahl des RAID-Levels hängt von Performance- und Sicherheitszielen ab. Plane Rebuild-Risiken,
Festplattengrößen, Hot-Spare-Strategien und Backups mit ein. Dokumentation und Monitoring helfen, Ausfälle
planbar zu machen.